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I schau in den Wald. I bin a Reh. Oder au nicht. Schau nur so hinein, mach weiter nichts. I bin a Reh. Wollt immer eins sein. Bins nicht. Als Reh wollt i ka Mensch sein. Oder nur a Mensch wo a Reh sein will. Alle Rehe gehen ins rote Licht. Weißt was des heißt. Dasse verrecken. Damit will i sagen dass hinter am poetischen Satz immer der Tod is. Wennst vom Sterben reden willst musst es schön sagen. Des hab i ausm Wald. Im Wald is eh alles schön. Kommst nie ausm Wald und denkst es war nicht schön. Immer wars schön. Kommst ausm Wald und bist verzaubert verstehst. Weil im Wald is nur Tod aber halt schön mit Tau auf die Blätter und am fliehenden Fuchs wo durchs Dickicht zischt wiera Wind. Im Wald is alles Wind alle Tier. Weißt wo nicht greifen kannst. Langst hin nachm Tier und kriegst es nicht wiesd den Wind nicht kriegst weil er halt is wie a Tier im Wald wo is wiera Wind. Alles is wie alles verstehst des kriegst nur im Wald. Oder im Meer aber vom Meer weiß i nichts. Im Meer wär i gern aber vom Meer weiß i nichts. Vom Wald weiß i alles. Reh oder Fuchs oder Schwein im Wald kenn i alles. Da friss i mi durch vom Pilz übern Baum hin zum Wurm was i krieg des friss i.


Mein Herz ist ein Vogelhaus. Es hängt recht tief, so kommen auch Amseln. In der Regel aber visitieren mich Blau- und Kohlmeisen, Grün- und Buchfinken, seltener Stieglitze. Einmal kam ein Fuchs meinem Herz recht nahe. Ein weiches Tier! Vom Herzen her, weißt. Hat a ganz a schmiegsams Gmüt. Hat den Schmerz einer auf dem Gehsteig zerpflatschten Eiskugel nie gespürt. Woher auch, nicht? Fragst es dich auch? Woher hätt er’s wissen sollen, nicht? Der Fuchs weiß von Schmerzen nichts. Weißt, wie ich mein? Der Fuchs ist kein Luchs, verstehst? Er jagt den Schmetterlingen nach, er vergrault den Regen, er sammelt die Küsse der Weißen Rehe. Er steht Spalier im finsteren Wald. Steht aufrecht im Busch der Erinnerung. So ist der Fuchs, wenn man ihn Fuchs sein lässt. Sag, bist du ein Fuchs? Oder nur eine Unholdin, die ihm Arges will? Willst du des Fuchses Unbill, willst du es? Ist der Fuchsbau dein Gehäuse? Sagst du in ihm deinen letzten Schwanengesang auf? Suchst du dort den verschollenen Feind auf? das Findelkind der Zeit? den entbehrlichen Bruder? Wer ist deine Beute, sag? Oder ist der Fuchs, als Beute, nur eine Prothese? Wonach gierst du, wem willst du trotzen? Wessen Auge willst du küssen?


I wui di a Gschichtn verzöin. Da gings um an Vogel, an Stieglitz, und an Marillenschnaps, aber net in dera Reihnfolgn, weil erst gings um den Marillenschnaps und dann hoid um den Vogel. Aber hoid dazwischen war au no a Sachn, und die eben wui i da verzöin, spannst dei Schusser auf, ge. Oiso, i hab ja scho gsagt, im Grund, wies eh immer de Foi is, gings um mi, i woa da irngwie drighang in dera Gschichtn. Und des lasst si schnöi verzöin, weil i hab hoid an Marillenschnaps gsuffa. Aber hoid net aus der Floschn, sondern i hab den Marillenschnaps in an Becher gschütt, und em den Becher hab i am Fensterbrettl stöihn ghabt, weil i hab nausgschaut aus am Fenster in die Wöidgschichtn hinaus, hoid in die Bäum und auf an Kierchturm, weil wos onders söih i eh net, wenn i mi rauslehn. Und i hab so die Vögel gschaut, wies fressa, die Spotzn und die Meisn, a weng Taube war au dabei, oba hoid auf Abstand, ge, scho a, zwa Meter weg vo mir. Un grod die Taubn hams a bisserl verdalkt, nicht, woi die ham ois zertrampelt, und neigschiss hams a, oba des hat niemands gstört so recht, nur mi hats a weng ozipferlt. Oba irngwann war hoid Flaute, ge, da is kaner mehr kumm, ka anzger Vogel. Und wies immer mehr stad wurd, wie i scho denkt hab, des woars für heit, da kummt nix mehr, da flattert mir der Stieglitz heran, ge – oba net ans Schälchen, net in die Futterkuhle, sondern hoid an en Becher, mit die Krallen direkt auf an gwöibten Rand, und mit am Köpperl ins Nass hinein, den weißn Bürzel in’d Höh greckt, und dann schlurfts, ge. Ja, hoppala, denk i, ja, schau i denn net recht, sauft da Räuberfink mir mei Marillenschnaps weg, kanns denn sein? Wos a Gfrast! Ja, und wos dann passiert is, i sag dir, stolz bin i da net drauf, oba wus hätt ich stattderer machn suin, hätt i ihn weiter oifach zechn lossn soin, da woa i eben, wie i söiba eh au scho was intus ghabt hab, direkt a weng ogfresse, i hab mir denkt, na, des saufst du mir jetz net weg, du Humperl. Na, was denkst denn, ertränkt hab i ihn sicher net. Mei, waßt, wenn i söiba so a Stieglitz wär, und urplötzlich in dera Gengd, ja, woascheinli hätt i’s a glechzt, woi so a Lem ois Vogel, i waß net, so recht zumutbar is des au net. Oba es ging hoid um an Marillenschnaps, verstehst, des Zeig wachst ja net auf die Bäum. Dann miaßt’s Rauwagsindl ja au net z’mir, eh klar. ‚S Katzerl hab i draufghetzt! Oiso, i hab’s ma spintisiert, ge, es hat scho sei Kreiserl zogn im Bimmerl, a weng wunderlich woa mir hoid. Oba dann is mir eigfoin, i hab goa kei Katz, was schod is einklich, woi so a Käterin tät mir scho gudtun, da hättst wos zum Taschkerln, hättst es immer liab in deine Händ, des würd mir gfoin, oba die würd ja abkacherln auf so an Vogel, die würd ja koa Ruh mea gem, bekäm direkt an Rappel, wär lappad ohne End, woi die Vögel san ja de ganze Dog da, rund um’d Uhr, die würd ja numenandfetzn wie so a Hirnschussler. Wos hab i oiso gmacht, nix hab i gmacht, i hab’s saufa lasse, wos hätt i machn soin. Des woit i da hoid verzöin, dass’d hoid waßt, wos so gwen is über de letztn Wuchn. A Vogel hot mei Marillenschnaps gsuffa, un i woa hoid zerkaud.


Gleich schnapf ich ins Drübl der Vorsonne aus, hinterm Fenstergelapp aus modrigen Heulederfetzen, vermalt im Sirl der Sockmanderin; ein kleins Früherl vom Tägchen reiht sich vor mein Geäug, ich schnatz es mir züngelnd unters Kapperl hinein; weißt – wie im Schnapsmai, vorgsjahr, wiematanztham, drunt am Pillensee, eh scho klar wie am Schneckerl die Lämpen, ich am Bretterl undu unterm Schlag, und mit einem Mal, ausm Stand direkt, klappt uns das Birndl aus seim Gesteck, und wiemagranntsind, wiemasnurkonntn, und dasehma die Glühchen am Schirm vom Backnadelsim, einsaufsandre, dreivierhundertodermehr, und da kam uns der Regen untern Nagel wie Firm, ich leg mich schnaff, du legst dich berm, ich fall raus, du fällst hinein, und Gelapp aus viel Haut, Murchen vielleicht, schwärmt uns stirndrein wie vierfünfhundertmehr an Gesändel aus Prum, du weißt noch: im Atem verliert sich der Leib, deinmein und der aller, und auf Beeren krochen wir heim, knietschpatsch, und ein Lied ertant alla Hiernichtoderdoch, und fühl mal, sag ich, fühl mal die Klaug, mehr drin als im Tern der übrigen Sens, und ich lad mich dir auf, wie im Traum tausendmal, und wir sprengen ein Gewölf durchs trabe Genäss, umfinstert vom Licht wie von den Stimmen der Launs, und ich schnupf in dein Haar aus Plast und aus Schirr, reck die Drosselrinne, blank und verputzt, gen ulkem Hurion, dem Blast der Leu aus dem Urland des Scharns, und du schnaufst, schnaufst, du schnaufst dich leicht.


aus dir könntn was werdn zb ein asternaut hab i nie ghört weil war i nie auf 1 höheren school. mein gelehren hem immer gsagt, guck nich so dumm aus 1 fenster wenn i sprech!! aber vor unsern fenster da war 1 baum u i hönn nit anders könn als immer draufschaun mit sein vögels u bletters rausch rausch weist. wir warn so dritter stock u es war ein big baum ewig breit u auch übelst grün so wenn sonne usw. u most of the time i hen eif den baum gschaut weist na ja sonst halt eva den süsnmaus. baum links eva rechts war halt so. im sinn so von blickwinkel weist. baum eva u einzwei lehren vor tafels war mein jugend. sonst i hen nix gmacht. viel lesen aber zählt nicht weil machst ja nix. mein eltern immer han gsagt machst nix machst nix liegst nur mit dein book auf dein chest geh halt mal raus mit die anders geh spieln weist. draußen mit die lernst was. aber i hun immer an wand in die punkts vom putz gschaut nach gsichtern u hen mir so gschichtn dacht. wie die so freunds werden. weil hab i di verstandn wie die so fest in der wand drin sin u sich nit bewegn könn u trotzdem is halt mega was los bei denen da gings ja ab weist. die han mehr erlebt als i. i hon immer nur gschaut mehr als gschaut hab i nie zun baum hin an wand oder halt nüber zur evn wie die da ghockt is mit dern mega haarn u ihrn krassn gsicht u di hat au nix gmacht hat au nur dagsessn u nur guckt u nix sagt. mal hats scho was gsagt aber mehr so frech insgsamt. einma hat de lehrn ihr tadelt weil weng keine hausngabn u sie so soll i mi erschießn halt? da bin i butterweich worn. des war halt n girl von 1 andern stern weist. soll i mi erschießn lol. so was hab i nie ghört also in reallife. in ein wahrn lem die leuts warn immer fad aber evs war wie aus ein film wo i unbedingt mitspieln wollt aber wo i merk i schau nur zu. aber i hen halt nirngs lieber zugschaut als wie se dahockt aufn stuhl immer so vor u zrück wie auf 1 schaukl. die andern han nit so zu ihr gschaut wie als hätt niemand begriffn dasse die megaste is. mir wars glei klar glei wo i se gsehn hen for the first time. i hun durchn raum gschaut wie i in klass kam und glei dacht hups was los lan. da muss man se fragn weist obs mit rechtn dingn zugeht weil lebst vor di hin u all is dull to the fullest dh as fuck u mit einmal wallah kracht so 1 komet von übelster schönheit in dein life. wennst nie was wirklich schönes gsehn hast u mit einmal siehst es wie solls dann weitergehn bleibt ja alles stehen weist. is wie 1 verbrechen wenns trotzdem weitergeht alles eben wie als wär nix passiert. eh der größte skandal am life dasses immer weitergeht. noch 1 größerer als dasses plötzlich aufhört. aber wennst rausschaust aufn baum dann kannst es vergessen for a while weil dem baum siehstes nich an dasses weitergeht oder aufhört dem kannst gar nix ansehn der steht nur stad u des is 1 anblick irngwo zw lem u tod. u des war mitn baum so u auch mit ev. so paar moments weist wo i nit bored war und nit pressured wo kein anxiety mi kickt hat. wo i mega still war drinnen aber in gut halt. wallah best moments aber nur moments wie die punkts vom putz aber ohne die wand weil die is des ganze life u hat mi nie so catcht weist.


in all den sseit wo i bin gelauf von den hier nach den dort von ein haus ssu ein other, gansse street entlong und ein other street und viel andere streets au noch, wo ging durch berge, tale, haine, strauche, wo i bin mit mein ellbogen gekomm an ein blum wo hat scheisen gebrannt an mein arm, gansse sszeit i hab gedakt scheise wo muss i hin??? ni von fuß her mehr so in kopf, wo musen i hin mit mein gedank??? weil war viel los in mein head viel hin/her von bilder worts, wie remix von memories & desires und i versuch mit den worts zu den bildern nachkomm aber bin i too slow mit den lingo, bilder immer schneller als den worts und i renn so mit den worts an mein feets wie sportenschuh aber too slow too slow i komm ni dran und dann i hab ein idea gehabt von wie i mach picture und wort in eine und gansse sseit i hab mein arm kratzen von jucken wie scheise, i hab denken i mach ein formel wo is ni bild ni wort aber wo is troszendem beiden in eine oder wo gibs aus den beide ein neue so ca kartesische product mäßig so A mal B und so tupel wie xyz in die klammers für kanonische bijektion und i hab denkt, ob jetzt (a,[b,c]) oder (a,b,[c]) es is in den endenfekt allen de gleiche wenn au nie selbe, macht in de wirklichkeit kein von de nennenwert difference und so drum es ist safe assoziativ au wenn certified hurenbock since anno irgendwann um christi rum sascha kasun mit voll den ernste face wie ein dictator sagt no, no, es is keinenfalls assoziativ weil so oder so es is building von ein ganss neue object aber in mein wahrnehmung es is nur ein sache von aufmachung nix weiten und jeden de falls wenn A, B oder diese is leer von de meng her, andere au leer, und wenn i hab kein wort ssu de bild es gibs kein gedank und hab i kein bild ssu de wort es gibs au kein gedank, und von philosophy her es is ein miese dialectic wo is mega ernüchternd aber mega rich an aufenschluss – aber wo war i? yep, an ein street vor ein haus wo i bin higstandn wegen ratlos in de head & gleiso in de heart

Im Schlatt, Schoß des Schieren, flankiert von den Fluren Brüggler und Rankacher, eingegraben ins Tobel zwischen den Hügeln Etzberg und Hulmen, rührig als Chräbsbach entsprungen, windet sich, am Fuße des Eschenberghangs eben begradigt, der Mattenbach lässig durch Winterthur und mündet, in Fühlweite der Zeughäuser, in die Eulach, einer schütteren Sprossung des Schauenbergs, die, in der Altstadt eingedolt, ihrerseits in die Töss überführt und dort, milde gezähmt von trüben Büheln und der buschig bewaldeten, mit Kiesgeröll und Lehm überladenen Talsohle, zäh mäandernd in den Rhein verläuft, der die Schweiz nach Deutschland hin entwässert, bis ganz hinauf ins nordische Schelfmeer, das sich seinerseits, durch die Rinne des Ärmelkanals, ausgießt in den Atlantik, in dem das Mattenbächlein, bedrängt von Strömen aus aller Welt, endlich zum Erliegen kommt. Diesen Flussweg, der ihm nur vom Globus her bekannt war, ging K., als er, in schleppenden Schritten einige Aussenwachten Winterthurs passierend, vom Weiler Mattenbach den Eschenberg hinaufstieg, in Gedanken nach und suhlte sich, am Neujahrstag leicht frierend, in der Phantasie seiner eigenen Verflüchtigung. Er peilte den Eschenbergturm an. Noch um die Weihnachtstage war der Turm bewacht gewesen; Lebenstüchtige schützten ihn vor Lebensmüden. Doch jetzt war es stad um ihn; als K. die letzten Meter zum Turm erklomm, bäumte sich der Wald sachte aus dem Frühnebel und verdonnerte das Umland zu einer andächtigen Stille. K. tat die letzten Schritte auf dem Kiesweg zwischen den kahlen Büschen und blickte noch einmal wehmütig zurück: die Baumkronen, dicht an dicht, sahen aus wie ein Feld ineinandergestauter grüner Wolken. Wie gern hätte er sich darin fallen lassen, mit ausgebreiteten Armen und Beinen wie ein Flughörnchen, nur einmal! Aber er wollte mehr sehen, den Säntis und das Tschingelhorn, also wetzte er die dicken Kreppsohlen seiner Wanderschuhe am mürben Schotter der Lichtung, das heißt, er überquerte sie mit festem Tritt, hielt den Kopf hierbei faustisch nach oben gerichtet zum aufragenden Turm, dessen sieben Podeste, von schräg unten gesehen, wie ein massives rautenförmiges Rankgitter anmuteten, und setzte, als er, schwer atmend, einen der schmalen Turmpfeiler erfasste, zögerlich einen Fuß auf die erste Treppenstufe, ohne aber den zweiten, den er zwar anhob, freilich um sich auszubalancieren und so die Stabilität der Treppe zu testen, gleich folgen zu lassen, und indem er nun, wie eine herabfallende Feder, zweimal, dreimal nach vorn und zurück wippte, überzeugte er sich, dass die Treppe durchaus nicht nachgab, und bestapfte nun beherzt die Stufen, was jenen metallenen Schall erzeugte, der den Turm klanglich von der umliegenden Natur unmissverständlich trennte. Munter, beinah schon vergnügt, von einer intimen Heiterkeit leicht angekränkelt, wand sich K. zum ersten Podest hinauf.

Wie schön war alles von hier herab! Die artigen Wipfel der Koniferen, ein Wall gegen allen Wahnsinn, dahinter Winterthur in Miniatur, endlich lag der natürliche Liebreiz klar vor ihm. K. fand, was immer man von der Natur sagen könne, welche Eigenschaften man ihr auch immer zuschreiben wolle, alles, was einem zu ihr einfiele, führe letztlich zu der einen Auskunft, die man in allem Ernst von ihr tätigen könne: dass sie schön ist. Schönheit, dachte K., von der kühlen Luft ruppig betätschelt, ist die Essenz aller Natur. Wie auch die Natur, dachte K., bald niesend, die Essenz aller Schönheit ist. Natur war, worauf er gründete, und daher für ihn nicht abzulehnen. Ergriffen von seiner geistreichen Eingebung sah er hinüber zum Schloss Kyburg und hielt sich am Geländer; es schwindelte ihn. Schönheit, auch das war sein Übel, machte ihn mulmig. Aber der sich in seinem Magen mümmelnde und mulchende Mulm, der sich in seiner Wamme wölbende Wurm der Wahrheit, verriet ihm das Wirkliche des Anblicks: der schimmernde Tau auf den mattgrünen Nadelblättern, wie gern hätt er, vor mancher Zeit noch, von ihm nippen wollen – jetzt aber, von der Schönheit durchgemulmt, käm es ihm in der Tat wie ein Verrat vor und besser war’s, er ließ es bleiben. Er kann sich, dachte K., in dessen Auge sich ein Korn verfing, nur loyal zur Schönheit der Natur verhalten, wenn er sie unberührt lässt, wenn er sich nicht an ihr vergreift. Wahre Treue zur Natur, dachte K., sich das Korn aus dem Auge puhlend, erweist sich nur in der Askese. So sehr ist er von der Natur besessen, dachte K., das Korn übers Geländer schnippend, dass es direkt ein Unrecht wär, sie selber besitzen zu wollen. Andächtig stieß er sich vom Geländer ab und nahm die Stufen zum zweiten Podest mit der festen Absicht, sich darauf selbst zum Gespräch zu bitten.

Ihre Lippen, ein geübtes Grab, dorthinein senk ich mein flipperndes Zünglein, dortheraus schlabber ich ihr den zähen Seim vom träufelnden Mundfleisch, dort leck ich ihr die feinste Liebesrede auf den flackernden Gaumen, verfasst in Urdu, Sanskrit und Bengali, herausphantasiert aus dem Eitertrog der Liebesangst, dem Maul eines Hundes abgehechelt, vom Kamm einer rinnenden Fähe erschnüffelt und aus Wolkenschaum herzhaft geknetet, um sogleich auf ihren weißen Füßchen Mundharmonika zu spielen – sie wird ahnen, woher das alles, sie wird am Schorf meiner Wunden erknabbern, woraus ich dies alles sog, ja, mit offenem Mäulchen und ebensolchem Herzchen und derart gearteten Händchen wird sie mich fassen und nehmen, wird sie mein düstres Köpfchen in den schaumigen Schoß ihrer Begierde tunken, dort harr ich aus wie ein Matrose auf stürmischer See, auf dem Kahn meiner Sorgen, dort reit ich den Wal ihrer Dekrete, dort allein will ich selig sein — wie eine Rauchschwalbe — rahmweiß unterbuttert — kastanienbraun umkehlt — schwänzlich befleckt — im Umland Tschernobyls — was ihr die Strahlung, ist mir der Zorn der Geliebten — Weckamin — Stimulans — er wiegelt mich auf gegen die vom Tagwerk bewirkte Ermüdung der Wonne — gesundet mich — nur in seiner Sphäre leb ich auf — welcher Zorn? — der um meine Gegenwart — mit der ich der Geliebten die ihre nehme — wie eine Rauchschwalbe — forste und ackere und siedle ich ihr nach — oder wie eine Plattwanze — als Liebeschmarotzer — alles nehm ich ihr alles — nach und nach — Raum Zeit Geld & Feelings — nicht bloß zum Erhalt derweil derselbe nichts sein könnte als ein Signum der Differenz von Existenz und Inexistenz wovon nicht mehr zu halten wäre als zur belanglosesten Frage ein Ja oder Nein vielmehr sei mein Erhalt derer ihres Begluckstwerdens worauf sie gestützt und getragen werde — ich werde mich immer daran erinnern, wie ich ihr nachts den Schweiß vom Rücken leckte; der Mond stand als Mahnung über der Mauer; ihre Haut schmeckte wie Gold, wenn es weich wäre wie ihre Haut; in dieser Nacht hüpfte und stapfte mein Penis um ihren Po wie ein Kobold ums schelmisch flackernde Lagerfeuer; da gebar ich die Einsicht in meine Hörigkeit; ich fetzte, wie zum letzten Aufgebot, alle restlichen Impulse nach Souveränität heraus: dann lag ich bibbernd auf ihrem Nacken, bis zum Morgengrauen; der ersten Amsel des Tages, vorm Fenster auf der Etagere, gestand ich die Fügung; die Unterlegenheit war mein natürlichstes Recht; wo ich mich ihr beigeb, dort kann sie allein sein; sich von Einsamkeit kontaktiert fühlen; ich büßte mein Ich in seinem Boykott; am untren Augrand fraß sich ein Pilz ein; in der Abschaffung des Übrigen blieb silberner Trost; an ihm verätzte ich meine Zunge; alles Recht, unter Menschen, ist nur Trance; wo vom Recht zu reden ist, da von meiner Absence; jemand sein, unter niemandem, heißt obdachlos sein in der Liebe; dem Kussmund ein Spanferkel aufdrücken; an Blättern habe ich nie gerochen; den Rest nehmen, dass ihr der Weg frei ist zum Ersten; Ausbau nach außen, Einsturz nach innen; Gischt aus den Nasenlöchern; Wut als Verhängnis unter Vorgeborenen; den Zufall ausrechnen, in der Liebe ist es möglich; vom Steg aus seh ich nurmehr das Gras auf den Wassern; der jüngste Tag ist das Verfallsdatum aller Libido; wo ER aufersteht, wo ER abrechnet, dort senkt sich alles erotische Fieber; nur in der Gottlosigkeit bin ich keusch; wo ich glaube, sündige ich; an ihr aber ist kein Glaube vergeudet; in ihrem Greinen gipfelt der Frevel; ihr Lachen durchsonnt die Schande; ihr Busen trägt das Medaillon der Schmach, am Leben zu sein nur als Mensch; aus dem All blinzelt, nachts, die Gnade; wer nicht schläft, kann nicht vergeben — aber ich muss vorn beginnen, ich muss es ganz vom Anfang her sagen, vom ersten Anschein der Ereignung: eine Manguste buddelte, am Strand von Palermo, meinen Schädel frei – eine andere hatte mich, am Abend zuvor, vergraben – die Sonne predigte am Horizont – mir tropfte Lauge aus dem Mund – ein Morgen, wie ich ihn vierfünfhundertmal erlebt hatte – nachdem sie meinen Kopf ausgehoben hatte, verlor sie das Interesse und flitzte davon – für Stunden sah ich nur aufs Meer, auf dem sich die Sonne wie eine nichtige Erleuchtung spiegelte, nicht mehr als eine Kapriole – gegen Mittag hatte ich einen Zeh in der Nase – ich roch: Asche aus verbrannten Palmblättern, afrikanisches Sandelholz, Macadamia, Vanille, Sheabutter und schmeckte, nachdem ich dran leckte: Reste von Limetten-Dip – in der berühmtesten Folgesekunde meines Lebens beugte sich ein Köpfchen herab, von irgendwo droben ausm drobersten Himmel (Kosmos), ich sah nunmehr zwei sich auf meine Nase verschielt habende Princessäuglein und hörte einen Satz, den ich zuletzt in der Kindheit vernommen hatte: What is denn here los? – da löste sich etwas in mir, mein Seelenballon platzte und es sprudelten all meine über Jahrzehnte aufgestauten Reden aus mir heraus, die ich nie gehalten hatte – ich sprach von (u.a.): natalen Sperenzchen, Liebe in Windeln, Küssen & Fürzen im Sandkasten (simultan), Sabbern auf Locken unterm Pavillon, Pullern auf Pappenten im Mittagskleid, von verdorbenen Nieren, verklumpten Füßen, speichelnden Hirnen und schnatternden Gelenken, weiters kam ich zu sprechen auf: traurig schippernde Schuten in emsig wogenden Fluten, schneiende Sonnen auf Hawaii, Holzfällerhemden auf Skeletten unter Weihnachtsbäumen, an Marillenschnaps nippende Stieglitze, Bücherpalmen in Berlin, Salz auf meiner Haut an der Schulter einer Waisenkatze, schillernde Käfer in Wasserflaschen, tote Freitage, unterbrochene Kühlketten, verletzte Zigaretten auf einer Bank am See, hustende Mäuse, umlederte Augen im Kinosaal, weißes Haar auf einer Tapete in Bukarest, Tropfsteinhöhlen in vergessenen Kindheiten, lose Blätter vor einem Straßencafé, Kniefälle in geplünderten Kirchen östlich von Böhmen, Aufschreie im Huker vorm fliegenden Riesenwal, Elfen im Windkanal, Palmfett an der Sohle, Liebesnächte unterm Esstisch, den blauen Fuchs im Schrank der Großeltern, Weltrekorde im Zielgebiet, Deutungstremore im Aktkurs und immer wieder auf meine Angst vor eiternden Vulkanen und spermierten Hohlkörpern, die mir an der Küste vor Le Havre den Atem raubten – da hob sie mich aus, am goldnen Sandstrand von Palermo, von Mangusten umzingelt, hielt mich unter den Achseln gegen die Sonne und flüsterte: A new fuzzy bear is born – hier red ich nun also von der Wiege einer Wollust, eines sinnlichen Taumels, der sich bis in meine heurige Verlassenheit spannt, nämlich die von aller übrigen Welt, die mir nichts mehr sein kann in ihrem gnädigen Angesicht, denn wo sie an mir ist, drunter und drüber, kann anderes nicht mehr aufscheinen als Gewirktes von Belang, im Grund nu müsst ich allein von ihr noch sprechen, aber aus Sicht einer Welt, auf die sie einwirkt als kosmische Urgewalt mit allen irdischen Vor- und Nachwehen, nur wie soll ich Welt sein mit dem Kopf und dem Herz einer Birne, mit meinem Pferdemaul, mit meinem stotternden Schwanz, wie soll an mir kenntlich werden das Gold, das aus ihrem Innern tropft, so red ich eben von mir als Unwelt, die Blaupause ist für eine Dystopie, die, von ihr okkupiert, zur Utopie einer nur als Unwelt denkbaren Welt wird, zur Möglichkeit einer Unmöglichkeit, deren Elemente allein aus Liebe gearbeitet sind — vielleicht ist es Fieber — ich führe die Wehmut auf einer Kupferschippe in mein Maul — von der Traufe, gereiht über Pfrette bis Drempel, hängen Flughunde mit um sich gespannter Haut, sie keschert die Spitzmäuse ein — es muss Nacht sein — wohl schlaf ich? — ich lieg auf einem Herd, Gas flammt sich mein Mark hinauf — ich pust mir auf den Nabel — auf einer bronzenen Mähre trab ich ihr zu umflankt von Widdern und Drachen der Wind pflügt sich durch nach Süden ich pfeife ein Lied aus der Unterwelt darin küssen drei Trolle den lachenden Bettler ich leiste das Bedeutsame im Ritt über die Kluft des Truges in die das Ungewirkte alles Unvergänglichen pflatscht & richte mein Auge aufs Urteil der Zukunft in der ich ein Murmeltier auf ihrer Brust verreib im Anflug der Sonne in der ich mir die Leviten les und sie derweil füttre in der ich ihr im blauen Ballon zuflüstere je suis en guerre contre moi-meme als Scheidewort vorm letzten Gang in der ich sie in einem Trog randvoll mit Aalen einleg und Puderzucker draufgeb in der ich mich in ihren Mundraum vererbe und die Pullen füll mit Plinsen & Pülpe & Pfeben & Pils und trag Pampuschen auf der Pogge preziös nach Pompeji und pluster den Prunk auf wie mein Pimmel in ihrm Po und verfall ihrem Versuch der Verführung mittels diverser Fallbeile ich verführe indem ich verrecke ich kredenze indem ich krepiere ich kann mir meine Bewunderung für sie nicht vergeben sie nullt mich ins Abseits ICH ist das Scheidewort ICH ist alles was mich trennt ICH ist der Igel in den ich geknüllt bin IN IHREN KLEIDERN WILL ICH LEBEN vertrautes Keuchen an der Scheidewand ich bin mit Goldschaum überzogen und vertrete den am Feuer hinterlassenen Schuldspruch ich sag JA ich sag NEIN nach Laut und Färbung ihres Schleimgewitters dem Zucken ihrer Nasenflügel dem Tumult in ihrer Mundbucht mehr nehm ich als Gefüge nicht wonach ich mein Herzrasen kalibrier dem tosenden Beleg meiner sittlichen Hingestürztheit ICH schallt pour la dernière fois aus der dröhnenden Truhe aus der heraus sich ein unerzähltes Leben als unerzählbar erwies