lrk 08-25

[in der absicht zu atmen liegt ein
erschrecken über das deckweiß
des mondes
– an ihm tönt
das sonnenfell aus.]

schab ab den pilz am rost zertritt
die ummutterte krume atme
nicht in der absicht zu atmen
wittert das schwarz den schimmel
der nacht den aasigen hauch
des alten

bleib doch! wenn du gehst. bleibe
in zehntausend schritten nahe
beim tau auf der trosse stiebe
achtlos durchs deckweiß der wand

und abends unterm wall verkriech dich
im spalt heile dein bläuliches auge
an ihm sag auf dein edles
gebet flehe um schonung
um milde ums heil
aber flehe mit kalter stimme
mit einer zunge aus trockeneis wie
vor der bleichen fluh
mit ewiger duldung

sag ja und immer ja nur ja und
immer ja im singsang der not
er schläfert den zorn ein
deckt den schrei ab der faulen
dämmerung in der sich das dunkel
aufmacht zum hellsten gefecht

das blanke weiß einst waffe
vergilbt jetzt jagst du wieder
den jägern nach fällst
vom kamm der rinnenden fähe
aufs klamme moos schmeckst
die bittere flechte und atmest
aus

d

item: im fernen luftlinie 19 das hiesige
ausroden ich habe geschwiegen vom urlicht
gekränkt des spruchkörpers
urkunde als antinomie: dort war ich
hier im anderen raum als anderer schwan
im wort des erweckers im finsteren weiß

token: ich gehöre nicht mir gehör
anderem ohr anderem aug gehör anderen
händen anderem sinn (itemtität) ich gehör
unters lasierte totholz im weißen wald
wo ich dem reh nachseh wie einem flüchtgen
freund und dem rauschen lausch in der rostgen kron

idem per idem: ich bin durch mich die mutter
nur ein fetisch der vater aus gold verübt
sich am gestell der sprossen haucht asche
über den kormus ich erfahr mich
in der ächtung als jähes all wende
mich erlöst meinem tod zu (SCHWARZ)

komposition: familie ist addition ein dauerndes
und ich die scheide im gekringelten rund fix
in der achse ohne natürlichen grund trag ich
mich aus erkenn mich im verschleppten nein
das die andacht abfast schräg zur gewalt
(mein wissen flieht vor mir) (mein fernruf auch)

sonnennebel

im dunkel verträgt sich die sonne
mit dem licht // einfall:
1 flecken = 1 nein

sonnennebel über dem see
2 blässrallen

hell
sonne
(Analyse)

im licht ein vogel ein nein
im licht ein vogel nein
kein licht
kein vogel

taste weiß taste taste
weiß

kein licht bitte

(taste; taste; taste)

sonne hell vogel
: aus

nichts verträgt
sich

ein vogel na komm

in den fleck, in den fleck

eine amsel am mittag
der mein morgen ist
auf dem fensterbrett

das schälchen ist leer
sie bleibt
bis ichs gefüllt hab

tapst nur
als ich links das fenster öffne
bis rechts ans ende

unförmige schatten zittern übers gras
eine böe wischt über den baum

die amsel hüpft
auf den rand der schale

ich lass das fenster auf
tret ein paar schritte weg
und seh hinaus

ein junge am ufer
am frühen abend
schmeißt steine ins wasser
sein bruder trägt sie ihm zu

die schwester schleift einen drachen
rennend übers geröll

ein motorboot schlägt wellen
die zum ufer hin abflauen

packt eure sachen, ihr müsst morgen wieder zur schule

die mutter in hochgekrempelter hose
schnürt einen großen rucksack zu
der vater zieht sich die schuhe
im sitzen über die nackten füße

durch einen riss im wolkenzug
drängt sich ein lichtschwarm

eine libelle tanzt um einen kopf im see
eine möwe rauscht über beide hinweg

der skalar jagt dem salmler nach
der wels schiebt sich das glas empor
die schmerle ruht im felsen

draußen kündigt einer sich hupend an
die nachbarin ruft durchs offene fenster

eine fliege setzt sich auf den rand der teetasse

auf dem sofatisch der guardian
israel strikes military targets and seizes territory in syria offense

der saugroboter stößt gegen die teppichkante

am türknauf der gehstock
frühmorgens hatt ich ihn gesucht

die fliege schwimmt im tee

in der sofaritze vibriert das handy

ich zähle die roten punkte auf meinem handrücken

d

mit dem Wagen in die Mährische Walachei.
einen Truthahn jagen. ihn köpfen. ihn schälen.

bis in den Winter hinein alles jagen.
Familie jagen.
im Weiß sich schauen, im Weiß sich erspähn.

Weihnachten in der Walachei. das Gesicht der Mutter
eine Wunschlandschaft. im Gesicht der Mutter alles jagen.

dem Vater das Ja-Wort. die Auskunft: ich bleibe.
seine Brauen wie Schranken. er verbirgt sich im Sohn.

Weihnachten, bald Weihnachten.
bald nichts mehr sehn.

im Winter erblinden. für sie und ihn.
im Winter erblinden, nichts mehr sehn.
in Triebschnee versinken. im Winde verwehn.

das Haus der Eltern ein Bau aus Träumen.
das Zimmer der Jugend ohne Licht.
die Kindheit ein Versehen.

bald Weihnachten. im Haus aus Schnee.

pour toute chose, j’ai les mêmes yeux
die matten großtafeln vom grund
der weißen wiese die quergelegte
schaufel auf der bank den umtuchten
kopf der mutter aus dem dritten stock .. kimba
komm hoch .. aber ich bleib
am bordstein .. chrischi chrüschi lindstädt
pour tout, le même œil .. die teppich
klopfende frau der griepsch im sand
an dem mein bruder fast erstickt

steinchen wie satelliten im chaos
aus dem baum raus auf autos
im grenzstreif zwischen forst
& joliotcurie .. einer hält
jagt (ein paar schritte) den kindern
nach stockt & schimpft
mich am baum ohne stein
in der hand .. mein vater
aus dem fenster: er wars
nicht drum blieb er ja

dem schmalen lauf nach menz
folg ich nie .. meine grenze
das stadion von dem ich türm
einmal aus trotz .. die stutzen
stauen sich am knöchel der
trainer mir nach klammert sich
an mein gewissen .. hinterm wald
(als gerücht) der strittmatter den wir
im zirkus sehen mit blumenstrauß
die prominenz versteckt im greis

das blutende auto durchs märkische
land durch alleen chausseen über
lindow nach ruppin meine jacke
unterm kopf der am pfosten
aufschlug .. das helle rot & grün
der felder aus dem fenster wie
zerstampftes mischgemüse .. ein klumpen
kinder in einem saal abends unter
schläuchen schluchz ich mich heim .. morgens
die warme hand der schwester am puls

vorm schulzaun lose gruppiert
ich unterm ranzen die andern
schon vom rucksack halbseitig
umhängt mein erster mittelfinger
wenn ich den weg abgeh mit der
mutter vom konsum nachhaus
vorbei an der rau balancier ich
(ein brötchen im mund) den steinlauf
entlang .. die rau: an sie verlier ich
mario katrin janine

mario: im fasching polizist auf einem
hocker fernab der andern ordnet
umzingelt vom nichts den verkehr
ich ali baba mit verweintem gesicht
aus angst: geschminkt & maskiert
nur noch sichtbar als narr .. tränen
auch vor einer hochzeit ich ersticke
in neins vor dem frack (meine mutter
mit nachsicht: aber was dunkles) mein ekel
vor verkleidung vor uniform

der obelisk vom schloss aus am andern
ufer À L’ÉTERNELLE MÉMOIRE ein pfeiler
der utopie: sich immer dort sehen
wo man nie ist .. ein ort der nur lebt
bis man ihn betritt .. manchmal
ein wort bloß ratskeller kirche
blauweißberlin .. einmal am obelisk
ein dunkles auto .. unter den jungen der
klasse das urteil ein mörder .. auf dem
rückweg halt ich jeden fremden für einen

am schultisch in kippstellung am linken
rand zwischen rotem deutschheft und
maik & nicole in wisperndem schwatz
frau hacke: na am flöten ihr beiden
gekicher umher .. hier scheiden sich
mädchen und jungs: unternander
ists tuscheln flöten wenn quer .. ich kenn
das wort wie ichs nicht kenn .. maik & nicole
basti & katja marcel & anne
ich &

beim wichteln ihr name ich verdrängs
über wochen am morgen der bescherung
gesteh ichs der mutter .. ja ich hab jetzt
auch nichts auf die schnelle
.. gibt mir
zuletzt ihre brosche umwickelt beschrieben
verschwunden im stapel der klasse
sie kreischt .. als ihr name fällt
erstarrt vorm lütten in tränen .. ich (versteckt)
hinterm großen geschenk hör ihr
wow beim auswickeln der belle honte

1 milchflasche am morgen das würgen
an der haut das abkippen des
rests im waschraum wo ich peggy
tret (in den hintern) aus trotz .. blauer
brief .. der lehrerin droh ich mit den
schlägen des vaters sie weist auf meine
offenen schnürsenkel ich binde sie nie
zieh auch meine jacke nie zu lauf im
winter nach dem ersten eck ohne
mütze ohne schal .. mon non au monde

müllfetzen auf dem schulhof ich spieß
sie auf in der einen hand das alurohr
mit stahldorn in der andern
den schwarzen sack quer über den
aufgeschotterten hof .. eine strafe: ich hatte ronny
beworfen mit apfelsinenschalen in der pause
oben an den fenstern vieläugig
die klasse es braucht einen moment
dann leg ich ihren blick ab
wie eine schneenasse jacke

im ferienlager piss ich am bungalow
feixend auf robins rad .. er schläft
während die andern skandieren & johlen
und wäscht es morgens im see
seine eltern sind arm er ist schmächtig
und schwach von ihm droht
keine revanche .. wir nennen ihn zigeuner
später als ich selbst ein rad hab
bock ich beim wort der mutter
aus dem fenster: lass ihn fahren damit

der umpflasterte daumen mal nur
geschwärzt ein heilmittel gegen das pulen
das nicht hilft: ich pule blind
an egal was .. in der warteschlange
mit dem vater vor der eisdiele
wippe ich auf den fußrändern .. beim kippeln
pass ich die stelle ab zwischen sitzen
& fallen wie beim lichtschalter
zwischen an & aus .. still bleib ich
nur im kernspintomographen
tock
tock
tock
tock

und im orangen sesselbau wenn die
mutter saugt .. sie stellt den einen
kopfüber auf den andern ich schlüpf
hinein versteckt im dunkel
& im lärm .. der glückliche
mangel an allem .. in der absenz
der andern verschwind ich mir selbst
immer da bleiben wo ich nicht bin
am ort ohne not .. où je n’ai pas besoin
d’un oeil (pour rien)