blg 18-19 cat interlude

05 Aug 18, 6 Uhr

Am Nachmittag, als wir in die Stadt wollen, eine Katze im Hausflur. Ich lasse mich, zu L.s Unmut, wieder erweichen, knie nieder und ‚baue eine Beziehung auf‘. Wenn ich eine Katze streichle, dann immer so, als wolle ich sie davon überzeugen, bei mir würde sie es am besten haben. Ich kann sie nicht momentweise streicheln, ausrufen: „Mei, wie süß!“ und dann unbeirrt fortziehen. L., die gar nichts gegen Katzen hat, ist mittlerweile enerviert davon. Nachdem sie vor der Haustür eine geraucht hat, komme ich nach. „Du denkst immer, die mögen dich, dabei wollen die nur fressen.“ Aber ich beharre darauf, eine soziale Bedürftigkeit an der Katze ausgemacht zu haben.

Am Abend, als wir heimkommen, ist sie immer noch da. „Lass mich ihr wenigstens was zu trinken geben“, bettle ich L. an. Das Tässchen mit Wasser, das ich ihr vor die Tür stelle, lässt sie aber unberührt. Ich erläutere ihr anhand medizinischer Termini die Notwendigkeit, bei einem solchen Hitze-Boost Wasser aufzunehmen, aber sie hat kein Ohr für meine weisen Worte. Dann kramt L. ein Päckchen Katzenfutter aus der Küche. „Wo hast du das denn her?“ frage ich überrascht. „Hatte ich mal für den Raben gekauft.“ Sie füllt das Futter in ein kleines Schälchen und stellt es der Katze vor die Tür. Sie stürzt sich drauf wie eine Besessene, kurz vorm Hungertod.

Ich setze mich draußen neben sie. Auf unsern Schlitten, der noch vom Winter da steht. Wie je beim Anblick einer fressenden Katze birst und schrumpft mein Brustkorb wechselweise; es ist, als würde mein Herz zum Napf der Katze, die sich immer tiefer hineinschmatzt. Ihre himmlische Besinnungslosigkeit überträgt sich auf meine beim Zusehen; wie sie nicht mehr über den nächsten und wieder nächsten Bissen hinausdenken kann, existiert auch für mich nichts mehr als diese dahinfressende Katze. Sterben könnt ich dran und würd es noch genießen; meine Infinite Jest-Konstellation.

Erst steht sie vor dem Futter, den Rumpf nach oben hin ausgebeugt, den Kopf hinab ins Schälchen haltend; dann senkt sich der Rumpf, die Hinterbeine geben langsam nach, bis sie vor dem Futter beinahe liegt. Für einen Augenblick streichle ich sie; vermutlich nimmt sie es gar nicht wahr. Was mich selig macht, denn so kann ich mein Vergnügen an ihr ausleben, ohne sie zu beeinträchtigen. Sich an jemandem vergreifen, ohne sich schuldig zu machen, weil der Andere die eigene Handlung gar nicht mehr wahrnimmt; ob diese Aussicht einen Nekrophilen lockt? Nachdem sie eine Weile lang das längst leere Schälchen abgeschleckt hat, kriege ich sie doch dazu, vom Wasser zu nehmen. Sie folgt meinem Finger bis ins Tässchen hinein, dann trinkt sie, diesmal schaue ich nur zu.

Später schleicht sie durch den Hausflur und wetzt ihre Krallen an den Fußmatten. Ich sitze verträumt auf dem Schlitten, den Rücken an die Wand gelehnt, die Beine ausgestreckt, und halte jede Bewegung, jeden Atemzug der Katze für das Beeindruckendste überhaupt. Bis mir einfällt: L. und ich wollten einen Film sehen. Als ich zurück ins Zimmer komme, ist das Licht schon aus. „Schläfst du, Maus?“ flüstere ich, aber sie antwortet nicht mehr. „Tut mir leid“, schiebe ich leise nach und hoffe, diese Entschuldigung werde sich in der Luft halten bis zum nächsten Morgen, da L. aufwacht und von ihr besänftigt wird. Dann gehe ich, halb bedrückt, halb freudig, wieder vor die Tür. „Hey, kleine Maus.“

Ich sitze die ganze Nacht auf dem Schlitten. Kraule sie, spiel mit ihr, schau ihr in den kurzen Schlafphasen beim Daliegen zu. Immer, wenn ich mich erhebe und die Wohnungstür öffne, hebt sie schlagartig den Kopf und will mir folgen. Dann setze ich mich wieder zurück auf den Schlitten und kraul sie wieder und schau ihr wieder dabei zu, wie sie auf eine der Fußmatten plumpst und schleichend wegdämmert. Als ich es einmal schaffe, die Tür hinter mir zu schließen, kratzt sie bald beharrlich an der Tür und maunzt so bewegend, dass ich es aufgebe und fortan draußen bleibe. Am Anfang der Nacht dachte ich noch, ich könne sie nicht allein lassen. Ich habe eine Einsamkeit an ihr befürchtet, die ich außerstande war zu verantworten.

Gegen Morgen dann der Verdacht: Ich sei es, der von ihr nicht allein gelassen werden wolle. Denn in Wahrheit hatte ich den Film nicht vergessen; ich konnte mich nur nicht von der Katze trennen. Ich hatte sogar den Gedanken: Selbst wenn L. mich vor die Wahl stellen würde: Entweder löst du dich jetzt von der Katze oder ich bin auf & davon: Ich hätte mich nicht gegen die Katze wenden können. Auch nicht gegen L., klar, aber ich wär wie aufgespannt zwischen zwei Wagen, die in eine jeweils andere Richtung drängen. Eine Katze gefüttert zu haben, so fühlt es sich an, ist die Initiation eines Lebensbundes; nicht im Sinne einer moralischen Verpflichtung; es ist nur so, dass ich mit der ersten Fütterung der Katze mein Ja-Wort gebe, und das ist unverbrüchlich. Ich kann es nicht zurückziehen, ich kann es nicht annullieren, und ich kann mir auch nicht sagen: Na, morgen füttert sie eben jemand anders. Ich weiß nicht, warum mir das nicht möglich ist.

Vermutlich habe ich ein primitives Konzept von Einsamkeit auf sie projiziert. Immerhin weiß ich ja von den Lebensumständen der Katze nichts. Unterernährt scheint sie nicht zu sein, ihr Fell ist fein und weich, und sie ist von einer angenehmen Zutraulichkeit – natürlich wird sie ein Heim in der Gegend haben. Und auch hat L. ja recht – ich bin von der Zuwendung der Katze, wenn sie ihr Köpfchen an meinem Unterbein reibt, nicht in besonderer Weise gemeint; ich bin nicht ihr Auserwählter auf der Suche nach ewiger Freundschaft; ich fungiere nur in meiner Rolle als aktueller Ernährer. Aber in meiner immer noch kindlichen Sehnsucht, gemeint zu sein, will ich, wenn sich Bindung anbahnt, unbedingt ‚da‘ sein, unbedingt dienstbereit, unbedingt betriebsfähig. Ich will mich in meinem Ja zur Katze verausgaben. Ich will mich dran beleben und ebenso erschöpfen. Daher muss dieses Ja ein alternativloses sein, wie ein göttlicher Pakt. Ich kann dieses Ja nicht suspendieren, für keine Sekunde.

So viel Engagement, würde L. so ungefähr sagen, sollte ich mal in mein eigenes Leben usw. Aber das kann ich nicht, ich werde es nie können. Ich bin mir zugleich das Wichtigste und das Egalste, und je in den falschen Momenten. Nur die Verantwortung für etwas, das lebt, hebt mich aus meiner Selbstvergessenheit. Aber ich will es nicht ins Gute drehen: diese Art von Verantwortlichkeit, das meint auch Besitz. L. kann ich nicht besitzen: sie ist zu frei, zu eigenständig, zu autark. Scherzhaft habe ich ihr mal gesagt: Irgendwann wolle ich so viel Geld verdienen, dass sie nicht mehr arbeiten müsse; und wenn ich den Scherz daran abziehe, bleibt es auf gespenstische Weise wahr: Ich wünschte, sie wäre abhängig von mir. Nicht im Zuge einer Dressur, sie soll sich nicht fügen; der Wunsch wäre, es möge sich wie selbstverständlich aus den Verhältnissen ergeben. Das Begehren: einmal imstande sein, ein außerfamiliäres Verhältnis zu sichern. Aus der Furcht heraus, jedes Interesse an mir müsse zwangsläufig einmal erlahmen. Wohl daher auch der Trieb, die Katze zu füttern: um sie mir auszuliefern, sie notwendigerweise an mich zu binden. Weil, was ich für meine Identität halte, von sich aus nicht kohäsiv wirkt.

Kurz vor Sechs dann füttere ich sie wieder. Diesmal sehe ich ihr nicht dabei zu, sondern gehe gleich in die Wohnung; sie ist lang und innig genug mit dem Fressen beschäftigt, um meine Abwesenheit zu tolerieren. Erst will ich umgehend ins Bett, dann aber der Eindruck, es lohnt nicht mehr. Jetzt das Bedürfnis, noch einmal nachzuschauen – sitzt sie vor der Tür? will sie gekrault werden? Aber ich lasse es; es ist ausgeschlossen, dass sie hierbleiben kann, bei mir, und je länger ich mich weigere, das einzusehen, desto wilder wird meine Bindungsgier.

09 Aug 18

Die Haustür unten steht bei dieser Hitze beinah durchgängig offen; so ist der Hausflur zu einer Art Sommerresidenz für die Katze geworden. Mittlerweile jeden Abend kratzt sie an unserer Wohnungstür oder ermaunzt sich den Einlass. Da sie beim Fressen viel Fleiß zeigt, habe ich uns vor ein paar Tagen mit allem Möglichen eingedeckt; nach zwei Päckchen Nassfutter, einem Schälchen Katzenmilch und zwei Geflügel-Sticks visiert sie das Bett an und schlummert bis zu zwei Stunden. Dann führe ich sie, wenn es dunkel ist, raus auf die Straße, wo sie sich auf einem Blätterboden an einem Baum erleichtert, sich auf einer Entfernung von zehn, zwanzig Metern mit einer Katze aus der Nachbarschaft eine angespannte Unterhaltung liefert, bis sie mir, wenn sie sich ausgefaucht hat, wieder ins Haus und in die Wohnung folgt, um mit ihrem Köpfchen an jedem Tisch zu reiben, sich von meinen Neckereien (widerwillig) bespaßen zu lassen und gegen Mitternacht wieder so unheilvoll zu maunzen, dass sie nur ein weiteres Päckchen Nassfutter und zwei weitere Sticks noch besänftigen können. Gegen ein Uhr dann lasse ich sie wieder heraus, ohne ihr zu folgen.

Zumal seit L. für einige Tage zu ihrer Mutter gefahren ist, begleite ich die Katze, wenn sie draußen ihr Geschäft erledigt. Die Sorge, sie könnte am folgenden Abend nicht wiederkommen, macht mich krank. Ich weiß: weder im rechtlichen noch im sozialen Sinne habe ich einen Anspruch auf ihre Anwesenheit. Aber ich widersetze mich dieser Einsicht; ich kann dieser Freude an ihrem Anblick nicht mit souveräner Gelassenheit begegnen. Wenn sie nach draußen huscht, um sich zu erleichtern, dann ist mein Beisein weniger ein Begleiten, mehr ein Eskortieren – und wenn ich fürchte, sie könne sich im Anschluss absetzen, zücke ich einen Geflügel-Stick aus der Hosentasche und raschle mit der Packung, wohlwissend, dass sie der Aussicht auf Fütterung in keinem Moment widerstehen kann.

Vielleicht die Reste der Wildkatze in ihr: nicht wissend, wann und ob sie je wieder zu fressen kriegt, nimmt sie alles mit, so viel wie möglich auf einmal; mir ging es, als Obdachloser, genauso. Gewissheit verhält sich da zur Zukunft nur ex negativo, und zwar so rabiat, dass man sich drauf eichen muss, jede spekulative Vorarbeit einzustellen. Man kann mit Glück nicht kalkulieren; aber auf der Straße, wo einem jede Absicherung fehlt, wo der doppelte Boden nur eine Metapher aus einem Leben ist, das man nicht mehr führt, wird man verrückt, wenn man sich dennoch drauf einlässt.

Allerdings verscharrt sie kein Futter; was man ihr auch hinhält, sie verschlingt es umgehend. Die Öhrchen zwar hochgestellt, aber sonst gilt ihre Wahrnehmung, scheint mir, ganz der Schlemmerei. Eine beeindruckende Art der Hingabe, die ich selber nur vom Schreiben kenne.

12 Aug 18

Heut stand sie – nachdem sie zwei Tage nicht da war – ganz aufgekratzt vor der Tür, unruhig, wie innerlich zitternd, und maunzte fürchterlich. Drinnen schlich sie unentwegt um meine Beine, rieb sich an jeder Kante das Köpfchen und wechselte alle ein, zwei Sekunden die Richtung. Auch beim Fressen ließ sie sich kaum nieder, sondern stand vorm Schälchen und senkte nur den Kopf zum Futter. Die obligate Kraulerei nach dem Diner beruhigte sie nur scheinbar, wie mir vorkam; zwar schnurrte sie, aber anders als sonst; aufgeregt, fast ungestüm. Als müsse sie sich selbst beruhigen. Nach einer halben Stunde, so mein Eindruck, hatte sie sich etwas entkrampft. Ich hatte Sorge, sie könne sich innerlich verletzt haben; äußerlich war nichts zu sehen. Vielleicht ein ruppiger Disput mit einer anderen Katze? Es kam mir albern vor, ihr beschwichtigend zuzureden, aber ich dachte, vielleicht kühlt sie ihr Gemüt an meiner milden Tonlage. Gegen Mitternacht, als ich sie wieder fütterte, dann ganz die Alte: aufgeweckt an mir hochhüpfend, während ich das Schälchen befüllte, und sich anschließend selig in dasselbe vergrabend. Eine Stunde später, als ich sie nach draußen ließ, war ihr Gang wieder entspannt, und so konnte ich in Ruhe die Tür hinter mir schließen.

13 Aug 18

Bevor ich sie aufs Bett lasse, ziehe ich die Vorhänge zu; die Vögel an der kleinen Etagere, die wir vorm Fenster zur Fütterung befestigt haben, machen sie verrückt. So hat sie das Bett, das durch eine umlaufende Bücherwand fast wie eingekapselt wirkt, ganz für sich. Ein Ruheort, wenn ich dabei hinausgeh zum Schreiben.

Am frühen Abend lege ich mich zu ihr aufs Bett; mein Magen rumort. Ein paar Minuten kraule ich sie, dann nicke ich weg. Ich erwache, als sie auf meinen Bauch klettert; ich bilde mir ein, sie wolle meinen krampfenden Magen beruhigen. Droben schnurrt sie friedlich, die Äuglein fast geschlossen. Es sieht aus, als brüte sie auf mir. Die Wärme ihres Körpers besänftigt meinen Magen durchaus – nur wird sie bald zu schwer, und weil ich ihr nicht das Gefühl geben will, ihre Zuwendung zu verschmähen, gebe ich ihr zu fressen.

18 Aug 18

Wenn die Eltern, in meiner Kindheit, über Haustiere sprachen, dann wie von niederen Wesen. Nicht schlecht, nur hierarchisch. Sie müssten sich nach den Menschen richten; wie sich Kinder nach den Erwachsenen zu richten haben; nicht in letzter Instanz, sondern per se, in jeder Situation. Wir hatten übrigens nie Haustiere; einmal bekam ich, vom Nachbarn zum Geburtstag, Fische. Aber die starben bald; entweder fütterte ich zu viel oder gar nicht. Außerdem bockte ich schon als Kind, wenn damals auch nur stumm, gegen alle Routine: jeden Abend Fütterung, das bekam mein Gehirn nicht hin. Später, bei Emma, änderte sich das: Ich musste mich nie überwinden, sie zu füttern oder ihr Klo zu reinigen; es war auch nicht gleich selbstverständlich, weil nichts für mich selbstverständlich ist, aber es war eine Notwendigkeit, gegen die meine Psyche nicht protestierte.


Aus Ungarn, vom Hof der Großeltern, wollte ich immer eine Katze, egal welche, mit nach Hause nehmen. Meine Vorstellung war, sie heimlich in meinem Rucksack zu transportieren und ihr vor oder hinter unserm Mietshaus in Rheinsberg kleine Verstecke zu bauen, wo niemand sie fände und ich sie ganz für mich hätte. […]
Jedenfalls kann ich das nicht: die Katze nach meiner Pfeife tanzen lassen. Wenn sie allein auf dem Bett liegt, gehe ich nicht ins Zimmer; und wenn ich was daraus brauche, hadere ich minutenlang mit mir und wende mich letztlich doch einer anderen Beschäftigung zu, statt mit meinem Eintritt ins Zimmer ihre Ruhe zu stören. Ich weiß ja nicht, was sie sonst für ein Leben führt, aber es besteht wohl die Möglichkeit, dass sie über den Rest Tages nie ungestört gammeln kann. So soll sie es wenigstens bei mir können. Und wenn sie dann von selbst heraus kommt, erstelle ich automatisch ein Gutachten ihrer möglichen Bedürfnisse; wenn mein Kraulen sie nicht beruhigt, kriegt sie Leckerlis; wenn das auch nicht hilft und sie immer stürmischer maunzt, begleite ich sie raus. Sie degradiert mich zum Erfüllungsgehilfen, und für mich fühlt sich’s wie Bestimmung an. Unter uns ist nicht sie der Kulturfolger; ich bin es.


Übrigens lasse ich sie jetzt, wenn sie ihr Geschäft verrichtet hat, frei entscheiden, ob sie wieder mit rein oder allein durch die Gegend karriolen will. Sie kommt nun so regelmäßig jeden Abend, dass ich nicht mehr besorgt bin, sie nie wieder zu sehen. Aber selbst mit dieser Perspektive hab ich mich arrangiert; immer will ich alles, was mir lieb ist, zwanghaft in mein Leben schweißen, aber es kommt immer auch der Moment, in dem mir die notwendige Autarkie eines andern – sei’s ein Mensch, sei’s eine Katze – so bewusst wird, dass mir mein infantiles Bindungsgeflenne nur noch lächerlich vorkommt. Dass ich es nicht gleich einsehen kann, dass es mir nicht wie selbstverständlich gilt, ist peinlich und trägt wohl auch krankhafte Züge. Aber gleichzeitig bin ich so erleichtert, überhaupt noch jedes Mal zu dieser Einsicht zu finden, dass mir eine furiose Selbstanklage etwas überspannt erschiene.


Sie dennoch nach draußen zu begleiten, und jetzt ist es wirklich mehr eine Begleitung – ich bin ihr Begleitmensch –, hat praktische Gründe: Mittlerweile ist die Haustür im Erdgeschoss oft verschlossen; dann wandert sie runter in den Keller und verirrt sich drin. Wobei sie übrigens Schlupfwinkel findet, die ich selbst noch nicht kannte. Bevor ich sie da aber wieder herauskrame, lasse ich sie lieber gleich nach draußen.

21 Aug 18

Magnum spectaculum: Santiago hat den Mega-Marlin harpuniert! Das heißt, ich habe ihren gewaltigen Hunger besiegt, ich habe sie endlich satt gekriegt. Nachdem sie heute schon am Morgen, als L. zur Arbeit ging, zur Tür herein kam, war ich erst ratlos: Schon so früh zwei Päckchen Truthahn? Ich habe es zunächst bei einem belassen und wollte schauen, wie dringlich sie nach weiterem verlangt. Lange warten musste ich nicht: Noch bevor das Schälchen leer war, hat sie mich schon entgeistert angeschaut: Das soll alles sein? Nun gut, dachte ich, eat this! Das zweite Schälchen leerte sie, wie üblich, in derselben Rasanz wie das erste, aber danach immerhin konnte ich aufatmen: Sie streckte sich ausgiebig. Was für gewöhnlich heißt: Weg vom Bett, das ist jetzt meins. Allerdings hatte ich die Nacht kaum drei Stunden geschlafen, bis zum frühen Morgen saß ich am Text. Also öffnete ich ihr die Wohnungstür, aber das machte sie nicht mal neugierig. Als ich sie unter den Arm nahm und vor die Tür setzte, blickte sie in den Hausflur wie in einen Tunnel der Langeweile, wendete und kam wieder herein, schnurstracks aufs Bett zu. Für einen Moment überlegte ich, mich samt Bettzeug auf die Couch zu legen, dann aber endlich der Eindruck: Das sei vielleicht doch zu albern. Also teilten wir uns das Bett. Wenn sie raus will, dachte ich, wird sie sich schon bemerkbar machen. Ich legte mich seitlich an die Bettkante, ihr zugewandt, und bis Mittag schliefen wir so. Als ich aufwachte, lag sie eng an mir. Halb auf dem Rücken, Vorder- und Hinterbeine von sich gestreckt, den Kopf seltsam eingerollt, mit verstörtem Gesichtsausdruck. Ich wollte sie erst mit einem lauten Knurren erschrecken, ließ es aber. Ich war kaum im Bad, da schlich sie schon an mir vorbei, mit diesem leicht hopsenden Gang, der bewegten Verkörperung einer Erwartung: Fressen! Nach dem ersten Schälchen die erste Überraschung: kein Gemaunze! Stumm blieb sie stehen, in einer, wie ich fand, selig-schönen Wunschlosigkeit. Als ich das Schälchen aufhob, um es zu säubern, war sie dann aber gleich wieder nervös. Obwohl ich unsicher war, ob ihr ein zweites Schälchen, zumal nach den zweien am Morgen, überhaupt gut tut, wollte ich sehen, ob sie es von selbst verschmäht. Natürlich nicht. Sie stürzte sich erneut drauf, wie Pac-Man, der sich hier nicht mehr durch ein Labyrinth fressen muss, sondern alle Punkte an Ort und Stelle verschlingen kann, und das, ohne von Gespenstern gejagt zu werden. Die Erlösung aus aller Bedrängnis; hier konnte ich sehen, wie sich Glück ereignet an der momentweisen Widerstandslosigkeit des Lebens. Und wie man selbst davon einmal genug haben kann: Denn tatsächlich ließ sie einen Rest über. Ich war so perplex, dass ich für einen Moment fast hilflos in der Küche stand. Als ich mich besann, lag sie schon wieder auf dem Bett. Ob ich sie zur Faulheit erziehe oder zumindest ermuntere? Denn wahrscheinlich wird sie, wenn das zur Routine wird, von diesem Tagesablauf konditioniert. Und ewig kann das ja nicht gehen. Aber bevor ich mir dazu weitere Gedanken machte, ließ ich mich von der Freude einnehmen, ihre Zweitfamilie geworden zu sein.


Ich ließ das Schälchen stehen und setzte mich ans Schreiben. Was seit einigen Tagen endlich besser funktioniert, nachdem ich eine Struktur gefunden habe, die mir die Aufhebung der temporalen Linearität ebenso erlaubt wie formale Variationen. Wenn ich den Anfang so weit habe, dass sich aus ihm heraus die Erzählstruktur sicher etablieren kann, fahre ich demnächst, wie von L. vorgeschlagen, vielleicht wirklich für einige Wochen ins Rheintal, um dort ohne weitere Ablenkungen daran arbeiten zu können. Vielleicht könnt ich die Katze mitnehmen, immerhin hätte sie dort ein ganzes Haus und einen Garten für sich. Und U., wenn er mal auf Besuch käme, würde sich gewiss freuen, wahrscheinlich versteht niemand meine Vernarrtheit in Katzen so gut wie er. Aber das ist bloß eine lächerliche Träumerei, denn natürlich werde ich die Katze nicht mitnehmen, ich habe ja wirklich nicht das geringste Anrecht auf sie. Allerdings leide ich an dieser Einsicht, und wenn ich aufschriebe, wie sehr, könnte ich ebenso gut meine Einweisung unterschreiben. Lassen wir das.

23 Aug 18

Gegen Nachmittag war ich neugierig: Ob sie heut nicht will? Also schaute ich unten nach, durchaus hoffend, und da saß sie, vor der Haustür, wie zum Porträt. Als wir die Treppen hochliefen, ist sie, die immer innen am Geländer hinaufhüpft, nach jedem zweiten meiner Schritte rechts eingezogen, vor meine Beine, und hob ihr Köpfchen zu mir. War das ein kommunikativer Akt? Ich habe ihn nicht deuten können. Nahm aber, weil sie am Morgen nicht kam und jetzt bereits vor der Tür saß, eine hungerbedingte Aufgeregtheit an. Nach dem zweiten Päckchen Nassfutter wieder die übliche Prozedur: aufs Bett und schlummern.

Nach einer Stunde kam sie maunzend zu mir. Es war ein sanftes Maunzen, kein forderndes, mehr eines, das von der eigenen Anwesenheit kündet. Sie schlicht um meine Beine und rieb, immer wieder hin- und herwendend, ihr Köpfchen gegen meine Knie und meine hinunter gehaltenen Handrücken. Also Kraulen, dachte ich und ging ihr nach zum Bett. Vom Vortag lag noch ein Geflügel-Stick auf einem der Bücher. Ich zog ihn aus der Verpackung, die sich nur mit unverhältnismäßig viel Aufwand öffnen lässt, und wollte sie erst genüsslich schlemmen lassen, bis ich auf eine Lust zur Neckerei verfiel: Ich hielt ihr den Stick von oben her hängend über den Kopf und zog ihn, wenn sie ihr Mäulchen geöffnet hatte und zubeißen wollte, immer wieder weg. Sie peilte den Stick mit ihrem Pfötchen an, erhob sich abrupt, kletterte auf mich herauf, aber immer wieder entzog ich ihn ihr. Dann balancierte ich ihn über ihrem Kopf, so dass sie sich leicht nach hinten beugen musste, und obwohl sie zunächst viel Geschick darin bewies, danach zu schnappen und einen sicheren Stand zu wahren, kippte sie letztlich nach hinten weg. Mein kindisches Gelächter ertrug sie stoisch. Um unser vorübergehend irritiertes Verhältnis zu konsolidieren, hielt ich ihr den Stick artig ins Mäulchen hinein und sie schleckte und biss beinah gleichzeitig.


Danach wieder lange Ruhephase, bis L. abends kam. Sie ließ sich davon aber nur kurz zu einem Rundgang durch die Wohnung ermuntern und kroch, nachdem sie sich durch liebliches Kraulenlassen L.s Gewogenheit zusichern ließ, erneut aufs Bett. Dort schlief sie mehrere Stunden, bis weit nach Mitternacht, und ließ sich durch nichts mehr erregen; weder durch Geraschel mit dem Futterpäckchen, noch durch das Öffnen der Haustür, noch dadurch, dass L. sich selbst ins Bett legte. Sie hat fast leblos dagelegen. Wenn ich mich zwischendurch zu ihr setzte und sie streichelte, hob sie nicht mal mehr ihr Köpfchen. Mit den Stunden wuchsen meine Sorgen: Ist ihr nicht wohl? Brütet sie was aus? Leidet sie an Melancholie? Sie lag da wie eine Depressive, in einer erschreckenden Lustlosigkeit. L. fand meine Besorgtheit närrisch: Die Katze wolle nur schlafen, ich solle sie einfach lassen. Vielleicht hatte sie recht, aber ich wurde nicht nüchtern: Wenn Sprache ausfällt, um eine Gemütslage zu ermitteln, verzweifle ich, bei Tieren wie bei Menschen. Als L. gegen Mitternacht ins Bett gegangen war, saß ich bis Drei unruhig vorm PC. Schaute immer wieder leise ins Zimmer und schlich dann bedrückt von dannen. Es machte mich skeptisch, dass sie sich offenbar nicht ausstuhlen musste, obwohl sie seit dem frühen Nachmittag in der Wohnung gewesen war und sonst spätestens nach der zweiten Fütterung hinaushoppelt zum Scheißen. Aber litte sie an Verstopfung, müsste sie Schmerzen haben, dann würde sie immerhin jaulen. Jedoch nichts dergleichen. Es gab keine für mich ersichtliche Grundlage, auf der ich ihre Verfassung hätte sinnvoll analysieren können. In der Folge eine unverdauliche Ratlosigkeit. Mit der ich mich erst aussöhnen konnte, als die Katze kurz vor Drei plötzlich im Flur stand und minutenlang ihre Glieder dehnte und streckte. Auf das Rascheln der Nassfutter-Packung reagierte sie wie gewohnt: gierig. Nachdem sie gefressen hatte, sauste sie durch die offene Wohnungstür, wetzte sich an der Fußmatte des Nachbarn die Krallen und tigerte die Treppen hinunter, und das so quirlig, dass meine Besorgtheit nach und nach wich. Als ich ihr unten die Haustür öffnete, war ihr Gang aber wieder vorsichtiger, ganz langsam ging sie die Straße hinunter, blieb immer wieder für einen Augenblick stehen, setzte ihren langsamen Gang fort, und ich sah ihr mit wieder wachsender Beklommenheit nach, bis sie eine Seitenstraße bog, in die ich ihr nicht mehr folgte.

02 Sep 18

Sie vom Trinken zu überzeugen, bleibt eine Sisyphos-Arbeit. Nachdem ich den Schuss Milch, den ich ihr ins Wasser gab, immer weiter reduziert hatte, lehnt sie es jetzt wieder mit einer verstörenden Sturheit ab, überhaupt davon zu nippen. Also musste ich den Anteil der Milch wieder erhöhen, wobei mir unwohl ist. Ich müsste selber stur bleiben, aber es gelingt mir nicht. Lieber ein bisschen zu viel Milch, denke ich, als gar keine Flüssigkeit. Zumal ich nicht weiß, wann und ob sie überhaupt trinkt, wenn sie außer Haus ist.

Da sie jetzt regelmäßig bei uns isst – und mittlerweile auch von den Nachbarn im Haus zu fressen bekommt (vor einigen Wohnungstüren stehen nun Schälchen) –, genügt ihr seit etwa einer Woche ein Päckchen Nassfutter pro Mahlzeit. Vielleicht täusche ich mich, aber man sieht es ihr auch an: Sie wird rundlicher. Aber noch nicht adipös, weshalb ich Frequenz und Umfang der Futterrationen vorerst beibehalten will.

Meine Sorge um ihr Wohlbefinden hindert mich übrigens nicht, sie mitunter zu necken. Einmal nehme ich sie auf den Schoß, den Laptop vor uns. Youtube; Vögel beim Fressen. Eigentlich will ich sie nur foppen; es ist auch ulkig, wenn sie ihren Kopf nach links oder rechts feuert, nachdem die Vögel, im Video, nach diesen Seiten hin verschwinden. Als ich sie vom Schoß nehme, steuert sie, obwohl ich sie erst vorher gefüttert hatte, umgehend das Futterschälchen an. Wenn ihr Appetit allein vom Schauen generiert wird, trotzdem sie satt ist, ist es für sie nicht in der Weise ein Spiel wie für mich. Dann wird mir klar, dass Necken ein Euphemismus für Drangsal sein kann; denn Necken lebt auch von der Kenntnis der Absicht und des Spielcharakters. Aber diese Kenntnis kann sie gar nicht haben. Vielleicht könnte ich es vor mir rechtfertigen, wenn ich es als Experiment ansähe, im Dienste der Forschung. Aber jetzt werd ich albern.

Gestern übrigens mein Handy verloren. Zwischen Bus und Bahn, in nicht mal einer Minute. Ich kann mir gar nicht vorstellen, es dort verloren zu haben; auch das Fundbüro meldet keinen Eingang. Es muss mir aus der Manteltasche gezogen worden sein. Tausende Fotos, hunderte Seiten von Roman-Notizen; alles weg. Der Antrieb für den Tag war direkt erstickt; ich konnte mich zu gar nichts mehr motivieren. Aber ich muss es abschreiben, radikal und von jetzt auf gleich, anders würd ich wahnsinnig.

05 Sep 18

Da sie sich nun auch bei den Nachbarn in den verschiedenen Stockwerken durchfrisst, kommt sie seltener zu uns. Noch immer jeden Tag, aber nicht mehr rund um die Uhr, nur noch abends, für ein paar Minuten. Die Stunden, die sie nachmittags auf dem Bett lag, während ich schrieb, fehlen mir. Sie lässt sich nicht mehr lange kraulen, verlangt es auch von selbst nicht. Manchmal locke ich sie mit viel Geduld aufs Bett, aber nach ein paar Minuten steht sie wieder auf und kratzt an der Wohnungstür. Es ist, als hätte man sich von einer Frau getrennt; man trifft sich noch, aber nur zur Übergabe des Kindes.

Andererseits erleichtert es mich; ich weiß: selbst wenn ich nicht mehr wäre, wäre sie versorgt. Das war ja anfangs meine eindrücklichste Sorge: dass sie leidet, an Futtermangel wie an Einsamkeit. Beides trifft wohl nicht mehr zu; das Schälchen, das ich ihr hinstelle, frisst sie kaum noch leer; und bedürftig nach Zuwendung zeigt sie sich auch nicht mehr. Im Eindruck, ich würde von ihr vereinnahmt, habe ich ignoriert, dass eigentlich ich sie vereinnahmen wollte (und immer noch will). Davon muss ich mich lösen, und es gelingt auch, aber nicht ohne Wehmut.

Im Übrigen hat tatsächlich jemand das Handy im Fundbüro des Bahnhofs abgegeben. Erst wurde es von Winterthur nach Zürich in die sog. Zentrale geschickt, und von dort aus wurde es wieder retour nach Winterthur geschickt. Anlass genug, mir 20 Franken dafür zu berechnen. Sei’s drum. Als ich es einschaltete und L.s Konterfei als Hintergrund zu sehen war, kurz der Gedanke: Ich sei noch nie so glücklich gewesen, L. zu sehen. Als ich es L. am Abend so erzähle, muss sie lachen. Alles noch da; Fotos, Notizen usw. Das hat mich in den ersten Stunden genauso apathisch gemacht wie der Verlust vor einigen Tagen. Freude und Trauer; beide eignen sich nicht als Motor intellektueller Geschäftigkeit. Ich sollte es vielleicht doch mal mit Ritalin probieren.

07 Sep 18

Sie kommt wieder, auch zum Kraulen. Gestern war ich erst gerührt, dann besorgt: Sie schien sich unschlüssig durch die Wohnung zu wühlen, hielt es an keinem Ort länger als zwei Sekunden aus und rieb sich an jedem Tischbein die Schläfe, wieder und wieder. Der Eindruck von Entfremdung, den ich zwischenzeitlich hatte: wurde er hier bestätigt? Wollte sie sich die Wohnung neu erobern? Denn irgendwann beruhigte sie sich doch, ließ sich auf der kleinen Matte nieder, die ich im Flur für sie ausgebreitet hatte, und gönnte sich plötzlich tiefenentspannt meine Kraulerei. Sie gähnte und streckte sich unter meiner Zuwendung, schloss die Augen, schnurrte und verfiel bald in einen kleinen Schlaf. Heute war es ähnlich, nur dass sie anfangs weniger aufgeregt war als gestern. Nachdem sie uns auf die Couch uriniert hatte, haben wir sie nicht mehr allein ins Zimmer gelassen – ich konnte sie, wenn ich schrieb, nicht dauernd im Blick behalten, und da ich einen Geruchsentferner erst besorgen musste, wollten wir kein Risiko eingehen. Daher ließ ich sie nach der Fütterung meist wieder heraus, weil sie im Wohnungsflur weder genügend Auslauf noch ein besonderes Plätzchen für sich hat. Vielleicht hat sie sich, was ich befürchtet hatte, doch ausgegrenzt gefühlt. Denn sie rieb ihr Köpfchen nicht nur am Mobiliar, auch zu mir schwenkte sie allsekündlich und streifte meine Beine und suchte immer wieder meine Hände, an deren Knöcheln sie sich schabte. Es ist doof, dass man mit ihr nicht reden kann. So lasse ich mich von jedem Anflug eines Launenumschwungs, den ich mir nicht umgehend erklären kann, gleich katastrophal erschüttern. Es ist wie bei L., die davon enorm genervt ist. Die redet, in solchen Momenten, übrigens genauso wenig wie die Katze. Mit dem Unterschied, dass sie sich nicht durch eine Fütterung besänftigen lässt.

10 Feb 19

Jetzt, fürchte ich, kommt sie wirklich nicht mehr. In den letzten Monaten war sie beinah täglich bei uns, nicht nur zum Fressen; wir hatten ihr auf dem Bett auch eine Schlafstatt hergerichtet. Gerad im Januar war uns unwohl, wenn sie zu lang draußen war; es kühlte schrecklich ab, der Schnee stand hoch. Sie gleich, wenn sie kam, in die Wohnung zu nehmen, hatte auch andere Gründe: Nachbarn beschwerten sich über Kot auf den Fußmatten, die Hausverwaltung wurde konsultiert und hatte Zettel ausgehängt: Keine Katze, nirgends. Meist kam sie am frühen Abend und blieb bis nach Mitternacht, manchmal holte ich sie auch schon am Morgen rein, dann blieb sie bis zum Abend. Es war wie bei Emma früher: War sie anfangs, was das Kraulen anging, eher launisch, wollte sie zuletzt nur noch gekrault werden; die stete Entwicklung einer Innigkeit. Letzte Woche aber ließ ich sie zweimal nicht hinein; beim ersten Mal war sie noch irritiert, beim zweiten Mal nahm sie es fast gleichmütig hin und drehte umgehend wieder ab. Seither kam sie nicht mehr. Schon als ich sie da sah, brach mir das Herz, aber ich hatte noch die Hoffnung, nach ein paar Tagen würde sie es wieder versuchen. Aber sie ist nicht mehr zu sehen. Die Katze von der anderen Straßenseite, mit der sie, wie es schien, eine strenge Gebietsteilung unterhielt, läuft nun unbeirrt durch ihr ehemaliges Revier. Sie muss wohl wirklich fort sein. Aber wohin? Ich kann es mir nicht erklären. Obwohl ich selber längst überzeugt bin, dass sie nicht mehr kommt, gehe ich jeden Abend hinaus, laufe die Straßen der Siedlung ab, freilich vergebens.